LabourLeaks: Corbyn, Antisemitismus und die Bosheit der Bürokraten #67

Bei der Labour Partei war dank stetigen Leaks gegen Corbyn nicht nur die britische, sondern sogar die internationale Presse regelmäßig in hellem Aufruhr. Labour, eigentlich die Partei der Gleichheit und der Solidarität, wurde Schreckliches vorgeworfen – bis hin zum institutionellem Antisemitismus. Ehemalige Parteimitarbeiter der Labour-Zentrale, die vorher formal für die innerparteiliche Disziplin und die Bekämpfung des Rassismus verantwortlich waren, bekamen von der BBC eine Plattform als Kronzeugen geboten, in einer Prestige-Doku zur Hauptsendezeit.

Ihr atemberaubendes Fazit: Jeremy Corbyn soll mehr zur Erregung des Antisemitismus beigetragen haben als jede andere politische Figur seit dem zweiten Weltkrieg.

Jetzt kommt aber ein explosiver 860 Seiten starker Bericht zu den Vorwürfe an die Öffentlichkeit, trotz Unterdrückung des Corbyn-Nachfolgers Keir Starmer – mit ungeheuerem Beweismitteln, die ein völlig anderes Bild malen. Denn es beinhaltet interne WhatsApp-Texte und Emails aus der Parteizentrale, ausgerechnet von den Kronzeugen. Allesamt verbitterte Gegner Corbyns.

Und sieh an: Die Parteibürokraten, die keine Sekunde zögerten, tausende von linken Mitgliedern über Nacht wegen Lappalien wie Retweets für die Grünen zu suspendieren, haben gleichzeitig die schlimmsten Antisemitismus-Fälle, bis hin zur Leugnung des Holocausts, ungeahndet und unter Täuschung des eigenen Parteivorstandes möglichst lang in den Akten schmoren lassen – anscheinend mit der Absicht, Corbyn politisch zu schaden.

Nicht nur das: Diese Labour-Angestellten, die formal für die Bekämpfung des Rassismus, Sexismus und Beleidigungen innerhalb der Partei zuständig waren, hatten selbst keinerlei Hemmung, sogar die eigenen Abgeordneten auf gröbste Art rassistisch und sexistisch zu beleidigen.

Am schlimmsten noch: Aktiv haben eben diese Angestellten in der Unterhauswahl auf die Niederlage der eigenen Partei gesetzt. Alles in der Hoffnung, damit den von ihnen verhassten Corbyn vom Parteivorsitz zu verjagen.

Das war nicht nur ein übler Machtmissbrauch – sondern auch ein Paradebeispiel für institutionellen Antisemitismus. Denn hier wurde der Kampf gegen Hass beiseite gelassen, und aus den niedrigsten Beweggründen als politischer Fußball missbraucht.

Nicht nur von den Labour-Bürokraten, sondern auch von den Medien, die sich hier nur zu gerne haben instrumentalisieren lassen. Wo früher jeder Hauch eines Vorwurfs, auch ohne Beweise, zur großen Empörungswelle gegen Labour & Corbyn in den Medien aufgebauscht wurde, herrscht heute trotz direkter Beweisen für eklatantes diskriminierendes und sogar kriminelles Fehlverhalten seitens der Corbyn-Anklägern fast lückenlose Stille. Die inbrünstige antirassistische Empörung der liberalen Kommentatoren ist plötzlich wieder vergessen.

Im Interview mit Jenny Günther vom Einmischen! Podcast berichtet Steve auch aus persönlicher Erfahrung zu diesen massiven Verfehlungen in der Bekämpfung von Antisemitismus.

Die Corbyn-Bewegung wollte Großbritannien und die Welt demokratisieren – scheiterte aber schon an Bürokraten und verkrusteten Strukturen der eigenen Partei.

Für Steve sind die Schlüsse klar: Ohne radikale Forderungen in Sachen Transparenz und demokratischer Rechenschaft wird es eine echte Wende nicht geben können.

 

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